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Brokkoli killt Magenkeim

Mikrobiologen-Kongress in Salt Lake City: Neue Erkenntnisse zu den Überlebensstrategien gefährlicher Bakterien und zu wirksamen Gegenmitteln

Von Ingrid Kupczik

Schätzungsweise die Hälfte der Weltbevölkerung ist mit dem Magenkeim Helicobacter pylori infiziert. Obwohl das Bakterium so weit verbreitet ist, blieb bisher unklar, woher es stammt und wie es übertragen wird, denn in der Umwelt wurde der Keim nie in seiner vollständigen Form gefunden, sondern allenfalls Teile seines Erbguts. Forscher der University of North Carolina haben das Rätsel nun offenbar gelöst: Der Mikroorganismus überlebt in einem speziellen Ruhezustand, unter anderem in fließenden Gewässern. Über das Trinkwasser gelangt er dann in den Körper des Menschen, vermehrt sich und attackiert die Magenschleimhaut. Diese und andere bemerkenswerte Erkenntnisse wurden auf der Jahresversammlung der amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie diese Woche in Salt Lake City präsentiert.

Bakterium geht baden

Die Experten der University of North Carolina wiesen in Experimenten nach, dass die Helicobacter-pylori-Zellen, wenn sie in neun bis 16 Grad kaltes Süßwasser gelangen und dort 80 Stunden bleiben, in eine Ruhephase wechseln: Sie überleben, stellen jedoch sämtliche Stoffwechselaktivitäten ein. Sobald sie aber mit dem Wasser aufgenommen werden und wieder in den Verdauungstrakt des Menschen gelangen, finden sie ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren.

Krebs durch Entzündungen

In den meisten Fällen leben Mensch und Magenkeim in friedlicher Koexistenz, aber bei zehn Prozent der Betroffenen greift Helicobacter pylori die Magenschleimhaut an, löst Entzündungen und Magengeschwüre aus und kann sogar zu Krebs führen. 90 Prozent der akuten und chronischen Magenschleimhautentzündungen gehen auf das Konto dieses Keims. Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore fanden heraus, dass ein Wirkstoff im Brokkoli, das Sulphoraphan, den Keim abtötet. Laborversuche zeigten, dass reines Sulphoraphan sogar Helicobacter-Stämme vernichtet, die gegen die gängigen Antibiotika Resistenzen gebildet haben. Außerdem beobachteten die Forscher, dass die Wirksubstanz bei Mäusen experimentell induzierten Magenkrebs verhinderte. Weitere Untersuchungen sollen laut Studienleiter Jed Fahey klären, ob durch gezielte Ernährung mit Brokkoli eine Helicobacter-Infektion vermieden oder eingedämmt werden kann.

Attacke mit Knoblauch

Dass Knoblauch Herz und Gefäße schützt und auch eine antibakterielle Wirkung besitzt, ist durch zahlreiche Studien belegt. Forscher der Cardiff University haben jetzt beobachtet, dass der Wirkstoff Allicin, der sich bildet, sobald die Knoblauchzehe zerdrückt wird, hervorragend gegen Escherichia coli wirkt. Dieses Bakterium kann zu Durchfall und Harninfektionen führen. Schon in geringen Konzentrationen greift Allicin die Zellmembran des Kolibakteriums an. Dagegen bleiben andere, erwünschte Bewohner des Verdauungstrakts, zum Beispiel Milchsäurebakterien, verschont.

Gefahr für die Mundflora

Triclosan ist als antibakterieller Wirkstoff in vielen Zahncremes oder Mundspülungen enthalten. Professor Carl E. Nord vom Karolinska Institut in Stockholm stellte in einer Studie fest, dass Triclosan bei längerfristiger Anwendung die Mundflora verändert und die Entwicklung bestimmter Antibiotika-resistenter Bakterien (Alpha-Streptokokken) fördert.

Tee tötet Viren

Mikrobiologen der Pace University New York berichteten auf dem Kongress von der Beobachtung, dass Polyphenol, ein Wirkstoff in grünem Tee, sich als Zusatz für Zahncreme oder Mundwasser hervorragend eigene, weil der Stoff die Aktivität verschiedener Viren und Bakterien in der Mundhöhle reduziert. Erst kürzlich haben Forscher am Baylor Center in Houston, Texas, herausgefunden, dass Polyphenol auch positiv auf den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn wirkt und vor der Parkinson-Krankheit schützt.

Quecksilber macht resistent

Zwischen der Umweltbelastung mit Schwermetallen und der wachsenden Antibiotika-Resistenz von Bakterien besteht offenbar ein enger Zusammenhang. Amerikanische Forscher zeigten dies am Beispiel des US-Bundesstaats Maine, wo die Quecksilber-Belastung in Böden und Gewässern dreimal höher ist als der von Umweltschutz-Organisationen empfohlene Grenzwert. Die Wissenschaftler entnahmen verschiedene Bakterien aus Forellen und aus Bodenproben und stellten insgesamt 22 Antibiotika-Resistenzen fest, darunter eine erschreckend hohe Zahl von Mehrfach-Resistenzen: Manche Keime ließen sich durch 14 verschiedene Antibiotika nicht unterkriegen. Nach Angaben von Studienleiter Frank Fekete können diese Antibiotika-Resistenzen leicht auf Keime des menschlichen Organismus übergehen und für große Probleme bei der Krankheitsbehandlung sorgen.

Autistisch durch Impfung?

Autismus kann, zumindest in einigen Fällen, Folge einer gestörten Immunreaktion sein. Darauf weisen Studien hin, in denen bei autistischen Kindern ungewöhnlich hohe Mengen Antikörper gegen ein Hirnprotein, das so genannte Myelin-Basic-Protein, gefunden wurden. Forscher der Utah State University präsentierten auf dem Mikrobiologen-Kongress neue Erkenntnisse, die den Verdacht erhärten, dass diese Autoimmun-Störung unter anderem durch eine Masernimpfung ausgelöst werden kann. Bei autistischen Kindern, die gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) geimpft worden waren, fanden die Wissenschaftler sowohl Antikörper gegen das Masernvirus als auch große Mengen MBP-Antikörper. Sie vermuten, dass durch die Impfung selbst in seltenen Fällen eine "untypische" Maserninfektion ausgelöst werde. Diese rufe nicht die klassischen Krankheitskennzeichen hervor und werde deshalb nicht erkannt, könne aber Autismus auslösen.


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erschienen am: 26. 05. 2002
Channel: Wissenschaft
Bereich: Medizin


 

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